In meinem Leben war der Spruch “So wie man in den Wald hinenruft, so schallt es heraus.” so präsent wie heute.
Der Fall ereignete sich heute morgen. Wie immer ist fünf Minuten vorm Losgehen großer Stress angesagt. Das Kind muss sich Schuhe, Jacke und Mütze anziehen und die Mutter ebenso, dabei Schminken, Haare waschen und den Frühstückstisch abräumen natürlich. Meine Schuhe stehen unter einem großen rustikalen Wandspiegel, der ein Meter fünfzig über dem Boden im Flur hängt. Da es sich um einen Klappspiegel handelt, damit ich mich auch von der Seite sehen kann, stehen die klappbaren Teile ab. Ich nehme meine Schuhe auf und knall mit voller Wucht gegen den Spiegel. Ich halte den Kopf, sage “Au”, gehe zur kleinen Schuhbank im Flur und setze mich. Die Tränen rollen.
Mein Kind hat mich zum ersten Mal weinen sehen. Meine Tränen sind einfach vor Schmerzen gerollt. Mein kleines Baby, mein Kleinkind, mein Schatz guckt mich an, nimmt meinen Kopf zwischen seine kleinen Hände und pustet meine Beule am Kopf. Und sagt: “Mama weint.”, während er mir anschließend in die Augen sieht und mich beobachtet.
Man sieht richtig wie es in seinem kleinen Köpfchen rattert und versucht die Emotionen zu verarbeiten. Meine Emotionen in seinem Kopf.
Ab dem Zeitpunkt habe ich nur noch vor Rührung geweint, die Schmerzen waren schnell verschwunden. Lediglich meine Beule erinnert mich den ganzen Tag an den schön rührenden Moment.
Das Sprichwort ‘Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus’ bedeutet: So wie man andere Menschen behandelt wird man auch selbst behandelt.
Jedes Mal, und es ist nicht selten, wenn das Kleine hinfällt oder runterfällt, pusten wir (Mama, Papa, Oma, Opa) an der Stelle, wo sich der Kleine weh getan hat und sprechen warme Worte.
